Greenhouse

︎ Dunkelgrün































Wir wollten schon lange weg sein. Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Mein Kopf voller Erinnerungen. Ein flaues, nervöses Gefühl macht sich in meinem Magen breit. Auf dem Rücken, mit den nackten Füssen in der Luft, versuche ich zu entspannen. Ich stelle mir vor, an der Decke gehen zu können und diesen nun so fremden Ort von oben zu sehen. Staubtanz in den letzten Strahlen der späten Herbstsonne, die durch die riesigen Glasfenster fallen. In Gedanken steige ich die Wand hoch, vorbei an den dunkelgrün, wuchernden Kletterpflanzen, bis zur durchsichtigen Decke. Von oben sehe ich die unzähligen Kakteen, einige blühen noch violett und pink, andere sind verdorrt.
 Dazwischen: Malte. Seelenruhig schläft er dort neben mir auf dem Boden, den Kopf auf meinem Lieblingspullover. Das Dach macht eine Biegung und von hier muss ich hoch springen, um den Vorsprung zu erreichen, welcher den Anbau mit dem restlichen Haus verbindet. Die Möbel haben Kratzspuren und helle Stellen an den Wänden und Böden hinterlassen. Wir haben nie etwas verändert. Auch wenn alles zu Ende schien und ich wochenlang nicht hier war, dann stand das Pult noch immer im Weg, die Stehlampe ungünstig und das Sofa schief. Ich höre die Schritte und das Gelächter der anderen, entfernt in einem andern Teil des Hauses. Sie klingen fröhlich, denken nicht an morgen. Meine Nervosität verwandelt sich in das starke Gefühl, nun endlich gehen zu wollen. Weg von hier ohne zurückzusehen. Von der Wohnzimmerdecke nehme ich die linke Tür zur Eingangshalle und gehe die Rückseite der grossen Holztreppe hoch, in den ersten Stock. Die Räume wirken so gross ohne die Bücher- und Papierstapel auf den Werkbänken. Ein einzelner Pinsel liegt noch in einer Rille zwischen den Bodendielen. Ich höre Türen zufallen und hastige Schritte auf der Treppe. Das Gekicher ist verstummt und ich fühle die frische Abendluft. Jemand hat die Eingangstüren
geöffnet. Die ersten gehen jetzt. Wir haben uns schon verabschiedet, gefasst und sachlich. Von Anfang an wollten wir Geschäftliches von Privatem trennen. Keinem ist das gelungen, aber es ist einfacher so zu tun, als ob. Aus dem Fenster im ersten Stock kann ich jetzt sehen, wie die Wege sich trennen. 
 Malte zuckt im Schlaf zusammen und reisst mich aus meinem Tagtraum. Seine Hand sucht meine und er döst wieder ein. Es riecht nach frischer Farbe: die vielen Zeichnungen sind übermalt, die kleinen Löcher verputzt.

Zusammengerollt liegen draussen im Hof noch immer die Landkarten. Wir konnten uns noch nicht von ihnen trennen. Trotzdem, alles muss heute raus. Nur die Pflanzen, die lassen wir hier.
 Meine Füsse sind schon kalt und kribbeln, weil alles Blut aus den Beinen gelaufen ist. Ich halte sie oben und zurück in meiner Fantasie an der Decke, stelle ich mir vor, aus dem Fenster zu treten. Ich falle in den nun dunklen Himmel.